Impressum

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ruth-Schaumann-Schule

Staatliche Förderschule für Gehörlose und Schwerhörige in Lebach

Ruth Schaumann (24.08.1899 -   13.03.1975)

Ruth Schaummann war eine  hochbegabte gehörlose Schriftstellerin,
Bildhauerin, Graphikerin und Malerin, die zu den bekanntesten Künstlern 
in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts zählte. Ihr Gesamtwerk umfasst 
mehr als 90 Bücher, darunter Märchen, Novellen, Romane und Gedichte. 

Sie wurde am 24.8.1899 in Hamburg als zweite Tochter der Elisabeth Becker und des Offiziers Friedrich Schaumann geboren. Sie verlebte ihre Kindheit in der kleinen elsässischen Garnisonsstadt Hagenau und in der großelterlichen Mühle in Ülzen am Rande der Lüneburger Heide zusammen mit zwei Schwestern.

Im Alter von sechs Jahren erkrankte Ruth Schaumann schwer an Scharlach und verlor innerhalb von drei Tagen das Gehör, was ihr Leben ganz außerordentlich prägte.
Dass aus der früh erlittenen Behinderung für Ruth Schaumann kein Nachteil erwuchs, verdankte sie sicherlich auch ihrer begüterten Familie, die durch entsprechende Privatlehrer ihre Talente fördern konnte.

Im Jahr 1917 übersiedelte sie nach München und besuchte dort eine private Kunstschule.

1918 trat Ruth Schaumann nach bestandener Aufnahmeprüfung in die Bildhauerklasse von Prof. Wackerle ein. In dieser Zeit schuf sie die beinahe lebensgroße Lindenholz-Plastik  „Verkündigung“, welche den Ausschlag dafür gab, sie 1921 zur Meisterschülerin zu ernennen.

In dieser Zeit entstanden eine Vielzahl von ausdrucksstarken Reliefs, Bronzen, Terrakotten und Holzbildwerken. Vorherrschende Themen waren vor allem die tief religiöse Verwurzelung der Künstlerin, biblische Inhalte und ein immer neuer Blick auf alle Facetten des Menschseins .

Im Saarland findet man in der katholischen Kirche in Lebach-Falscheid Kreuzwegstationen aus dem Jahr 1932. Es sind Holzschnitte von Ruth Schaumann, die später koloriert wurden.

In der Kirche St. Elisabeth in Saarbrücken kann man eine Marienstatue der Künstlerin bewundern.

Der Bildhauerei folgten Arbeiten in Graphik, Porzellan, Glasmalerei, Öl- und Temperamalerei, die man noch heute überall in Deutschland finden kann.

Den Scherenschnitt entwickelte  Ruth Schaumann zu einer eigenen Kunstform

Sie  trat zum Katholizismus über und begann mit der Publikation religiöser Lyrik („Die Kathedrale“). 

1924 heiratete sie den Redakteur und Literaturkritiker Peter Fuchs, mit dem sie fünf Kinder hatte. 

Neben zahlreichen Ehrungen und Preisen erhielt sie 1932 als erste Frau den Dichterpreis der Stadt München, ferner den Kogge-Ring der Stadt Minden in Westfalen  und den Bayerischen Verdienstorden.

Für ihr Gesamtlebenswerk als Schriftstellerin und bildende Künstlerin wurde sie 1959 mit dem Bundesverdienstkreuz erster Klasse  ausgezeichnet.

„Das Arsenal“ und „der Kugelsack“ waren ihre letzten Romane. Im „Arsenal“ setzte sie sich am Ende ihres Lebens intensiv mit ihrer Gehörlosigkeit auseinander, die sie zeitlebens zu verbergen suchte.

Ruth Schaumann starb am 13.3.1975 in München.   

 

Weitere Informationen zu Ruth Schaumann finden Sie unter folgenden Links:

Aus der Saarbrücker Zeitung vom 16. Juni 2004

Namenssuche mit viel Fantasie 

Die Suche nach einem Namen für die Gehörlosenschule in Lebach entpuppte sich als ausgesprochen ideenreich. Schätzungsweise 20 Vorschläge kamen aus Lehrer-, Eltern- und Schülerkreisen. Darunter waren Namen aus der Gehörlosen-Pädagogik und –Forschung  sowie aus dem unmittelbaren Lebacher Bereich, wie zum Beispiel „Ritter von Hagen“ oder „La Motte“. Gut ein halbes Jahr machte man sich intensiv Gedanken um den besten aller Vorschläge und einigte sich schließlich auf die gehörlose Künstlerin Ruth Schaumann. Vorgeschlagen wurde sie von der Mutter eines Schülers, die durch die Lektüre ihrer Bücher ein Fan von Schaumann geworden ist. Da die Autorin sehr einfühlsam die Sicht der Dinge aus der Gehörlosensituation heraus schildert, machte die Künstlerin bei der Namensgebung der Lebacher Schule das Rennen. Begrüßt wurde diese Wahl auch vom Kultus­ministerium, das seinen „Segen“ zu der Benennung geben musste. he

Festakt zur Namensgebung  

 

Festakt

anlässlich

der Umbenennung
der Staatl. Schule für
Gehörlose u. Schwerhörige
in

Ruth-Schaumann-Schule

Hierzu laden wir Sie sehr herzlich
für Freitag, den 18. Juni 2004, 10.00 Uhr,
in die Aula unserer Schule ein.
 

  (Alexandra  Forster, Schulleiterin)  

 

         Programmablauf 

·        Wir begrüßen euch alle. (Tanz)   

  • Begrüßung der Ehrengäste

  • Meditative Musik zu Scherenschnitten
    von Ruth Schaumann

  • Redebeitrag von Dr. Peter Fuchs

  • Schattenspiel: Die behutsamen Hände
    (Märchen v. Ruth Schaumann) 

  • Swing u. Stabspiel

  • Schmetterlinge,
    (Gedicht
    von Ruth Schaumann) 

  • Tanz der Schwäne

  • Gedicht:  „Regenbogen“

  • Tanz der Löwen

  • Tanz aus der Nussknackersuite  

Pressebericht im Wochenspiegel vom 30.06.2004

Ein neuer Name für die Gehörlosenschule
Gehörlose und Schwerhörige gehen jetzt zur ,,Ruth-Schaumann-Schule"

LEBACH (ps). ,,55 Jahre hatte das Kind keinen Namen", so die Schulleiterin  der  Staatlichen Schule  für  Gehörlose  und Schwerhörige. Alexandra For­ster. Doch diese Zeit ist nun vorbei.

Nach der bekannten gehörlosen Münchner Künstlerin Ruth Schaumann heißt das Lehrinstitut nun Ruth Schaumann Schule. Ruth Schaumann wurde 1899 Hamburg geboren. Im Alter von sechs Jahren ertaubte sie nach einer schweren Krankheit. 
Im Jahre 1917 zog die Schriftstel­lerin, Bildhauerin, Graphikerin und Malerin nach München. Sie zählte zu den bekanntesten Künstlern in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts.  Ruth Schaumann erhielt als erste Frau 1931 den Dichterpreis der Stadt München. Zudem wurde sie 1959 dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Ihr Gesamtwerk umfasste mehr als 90 Bücher, darunter Märchen, Novellen, Romane und Gedichte. Ruth Schaumann starb am 13. März 1975 in München.

Über ein halbes Jahr machten sich die Verantwortlichen der Lebacher Schule für Gehörlose und Schwerhörige Gedanken  über den neuen Namen ihrer Schule. Viele Vorschläge wurden diskutiert und letztendlich entschied man sich für den Namen Ruth Schaumann Schule.

„Der Name der Persönlichkeit muss natürlich auch zu der Schule passen, denn Nomen est omen", erklärt  Schulleiterin Alexandra Forster, warum man sich für den Namen der gehörlosen Künstlerin entschied. Im Rahmen eines Festaktes wurde die Schule, in der 118 Schüler aus dem gesamten Saarland unterrichtet werden, nun umgetauft.

Zahlreiche Gäste aus Politik und Bildung waren zu der Veranstaltung in der Aula der Schule gekommen. Als besonderen Ehrengast konnte in Lebach der älteste Sohn von Ruth Schaumann, Doktor Peter Fuchs, begrüßt werden.  Er überreichte  der Schule als Geschenk ein Originalgemälde der verstorbenen Künstlerin und erzählte, sichtlich bewegt, die Familiengeschichte seiner Mutter.

Gute Nachrichten für die Ruth Schaumann Schule hatte auch Hans-Walter Hoffmann vom Kultusministerium des Saarlandes mitgebracht.

Er gab bekannt, dass die Schule, gemeinsam mit der Blindenschule zu einem sonderpädagogischen Förderzentrum ausgebaut wird. „Da wird uns ein alter Wunsch erfüllt“, freute sich Schulleiterin Alexandra Forster.

Frau Forster bei ihrer Festrede

Herr Fuchs erzählte die Familiengeschichte seiner Mutter.

Herr Hoffmann macht uns das Förderzentrum zum Geschenk.

Der Landesarzt Dr. Just bringt seine Glückwünsche

Begrüßungstanz

Tanz der Schwäne

Tanz der Löwen

 

Das Märchen von Ruth Schaumann: 
„Die behutsamen Hände“ als Schattenspiel dargestellt

Regenbogentanz  

 

 

Rede zum Festakt:
(von Frau Alexandra Forster, Schulleiterin)

Unsere Schule bekommt einen neuen Namen.. 

Namensgebung  kennt man vor allem bei Kindern. Eltern, die ein Kind erwarten, machen sich lange vorher Gedanken über den Namen, den das Kind tragen soll. Dabei  wirken oft schon innere Vorstellungen mit ,die man von dem ( noch nicht geborenen) Kind hat .
Ein guter Name soll bestimmte Qualitätsmerkmale aufweisen:
Er  sollte einen guten Klang haben.
Er sollte auch angenehm auf seine Mitmenschen wirken.
Der Vorname muss zum Familiennamen passen.

Die Eltern suchen einen Namen, der dem Kind gerecht wird und mit dem es gut leben kann.
Und er ist das erste wirklich Individuelle, dass die Gesellschaft über die Eltern dem Kind für dieses Leben mitgeben.

„Nomen  est omen“ sagt der Lateiner, das heißt ,der Name ist ein Wahrzeichen. Er steht für etwas, dessen Wert man vielleicht erst in der Zukunft erkennen kann. 
Unser „Kind“ (die staatliche Schule für Gehörlose und Schwerhörige in Lebach) ist schon ziemlich alt – genau in diesem Jahr nämlich 55 Jahre !
Letztes Jahr hat die Schul- und Gesamtkonferenz beschlossen, diesem „ alten Mädchen“ einen Namen zu geben.
Und darum  haben wir uns (wie Eltern)  auf die Suche nach einem passenden Namen gemacht. 

Nun kann man ja einer Schule nicht einfach einen schönen Vornamen geben wie z.B. Rosemarie oder Peter
 
nein - eine Schule muss nach einer Persönlichkeit benannt werden, die  in ihrem Leben etwas Außergewöhnliches z.B. als Künstler, Wissenschaftler oder Politiker geleistet hat.. Sie muss außerdem zur Schule passen, genau wie ein Vorname zum Familiennamen passen muss. „Nomen est omen“. 

Die Suche nach einem Namen für die «“Staatliche Schule für Gehörlose und Schwerhörige“ entpuppte sich als ausgesprochen ideenreich. Alle Gruppen , die in der Schule mitwirken, waren beteiligt. Vorschläge kamen aus Lehrer- Eltern und Schülerkreisen. Darunter waren Namen wie Ludwig van Beethoven, Franz von Sales, aber auch der Ritter von Hagen oder Armin Löwe. Gut ein halbes Jahr machten wir uns intensiv Gedanken um den besten aller Vorschläge und wir einigten uns schließlich einstimmig auf die gehörlose Schriftstellerin, Bildhauerin, Malerin und Graphikerin Ruth Schaumann. 

Wer war Ruth Schaumann? Was hat sie geleistet, dass ihr eure Schule nach ihr nennen wollt? fragte mich mein ältester Sohn, als ich zuhause im Familienkreise von unserem Vorhaben berichtete. 

Sie war eine hochbegabte Schriftstellerin, Bildhauerin, Graphikerin und Malerin, die zu den bekanntesten Künstlern in der ersten Hälfte des 20.Jahrhunderts zählte. Ihr Gesamtwerk umfasst mehr als 90 Bücher, darunter Märchen, Novellen, Romane und Gedichte. Sie erhielt zahlreiche Preise, darunter als erste Frau überhaupt den Dichterpreis der Stadt München und für ihr Gesamtlebenswerk das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. 

Warum habt ihr keinen anderen genommen? entgegnete mein Sohn störrisch z.B. Günther Grass oder Heinrich Böll ?

Ruth Schaumann war gehörlos. Sie ertaubte im Alter von 6 Jahren nach einer Scharlachinfektion, und dieses Ereignis  prägte ihr ganzes Leben. außerordentlich.
Alle die mit dem Thema Hörschädigungen konfrontiert sind, wissen  wie mühevoll um die Bedeutung eines jeden Wortes gerungen wird.
Sie wissen , wie schwierig die Laut- und Schriftsprache erschlossen wird unter den Bedingungen der Schwerhörigkeit oder der Gehörlosigkeit.
Und trotz dieser Behinderung hat sie sich zu einer Schriftstellerin entwickelt, die sich in der Konkurrenz zu den hörenden Künstlerkollegen behaupten konnte und ein hohes Ansehen erlangt hatte.

Das macht Mut.
Es macht den Schülern, den Lehrern und den Eltern Mut.

Nomen est omen 

Das Leben mit einer Hörschädigung ist ein anstrengendes Leben. Viele von euch wissen, wie erschöpft sie nach einem langen Schultag sind, an dem man ständig mit der Laut- und Schriftsprache konfrontiert war. 

Die Gehörlosen unter euch können sich entlasten, indem sie sich mit ihren Freunden in deutscher Gebärdensprache unterhalten. . Sie können diesen lockeren Plausch machen, bei dem man nicht ständig aufpassen muss, um nur ja alles mitzubekommen. 

Ruth Schaumann konnte keine Gebärdensprache und sie hatte auch keinen Kontakt zu Gehörlosen. Aber sie konnte sich entlasten, indem sie etwas ganz wundervolles zu einer Kunstform entwickelte: den Scherenschnitt: Es war ihr möglich nach einer Dichterlesung  ein kleines Scherchen aus ihrer Tasche zu nehmen und ad hoc etwas aus Papier zu schneiden, was ihre Zuhörer und Fans begeisterte. 

Im Vorfeld dieser Veranstaltung hatten wir eine Projektwoche mit unseren Kindern gestartet, in der u.a. auch unsere Schüler sich in der  Scherenschnittkunst geübt und erprobt haben. Erstaunliche Arbeiten haben sie vorgelegt. Diese können Sie später im Eingangsbereich unseres Hauptgebäudes bewundern, ebenso wie die Ausstellung ihrer Bücher und Bilder.

Ich möchte Ihnen nun einen kleinen Einblick in ihre Kunst geben:  (Musik- und Bildmeditation)
Tauchen Sie ein in die Welt der Ruth Schaumann.

Ruth Schaumann mochte auch die Kinder sehr gerne. Nicht nur , dass sie selbst Mutter von 5 Kinder war. Sie schrieb auch einige Märchen  wie die behutsamen Hände, was wir später als Schattenspiel zu sehen bekommen. 

Eines Ihrer Kinder darf ich heute bei uns in Lebach begrüßen. Ihr ältester Sohn, Herr Dr. Peter Fuchs, hat keine Mühen gescheut, heute bei diesem Festakt dabei zu sein.

Ich möchte Sie sehr herzlich bitten, hier zu mit nach vorn zu kommen ......